Warum ich Linux mag und nutze…
28. Februar 2009 ute
Jan fragt in seiner Blogparade danach, warum man sich für Linux entschieden hat. Ich habe ja schon das ein oder andere Mal was dazu geschrieben. Sei es in der Artikelserie Linux, Mac, Windows, welches ist das ideale Betriebssystem? oder in der Serie zu Open-Source-Software und ihrer Nutzung.
Für mich war es eine logische Folge meiner Erfahrungen Linux zu nutzen. Angefangen habe ich mit einem Atari ST da gab es ein DTP-Programm und eine Textverarbeitung. Zu Beginn des Studiums hatte ich erstmals einen Windows-Rechner mit Windows 3.11, ein Kommilitone installierte mir das Ding mit gefühlten 78 Disketten.
An der FH gab es 1995 jedoch vor allem Unix. Sehr schnell merkte ich, dass ich damit besser zurecht kam. Auf dem eigenen Rechner folgte dann zunächst beides zu haben und je nach Anwendungsfall das eine oder andere zu nutzen. Auch da half ein Kommilitone und installierte mir Suse Linux.
Anfangs gab es da nur wenig grafische Oberfläche und es fehlte noch an Programmen für viele Anwendungsfälle. Irgendwann Ende der Neunziger gab es dann jedoch auch StarOffice auf Linux. Immer häufiger nutze ich Linux, weil es einfach stabiler war. Bei Windows gingen immer wieder Daten verloren, es gab Blue Screens und nur selten waren das System und ich uns einig. Auch als ich zwischendurch das Studium unterbrach und zuweilen Windows nutzen musste, konnte ich mich nicht damit anfreunden.
Stabilität und eigene Erfahrungen mit Linux und Windows
Je komfortabler Linux wurde, desto häufiger habe ich es stattdessen eingesetzt. Als ich mein Studium wieder aufnahm, gab’s zwar an der FH und auch am Engineering College of Copenhagen einige Arbeitsräume mit Windowsrechnern, an der fehlenden Stabilität änderte sich jedoch nichts. Wann immer ich mit Windows arbeitete klappte es nicht so recht und die zunächst gewonnene Zeit für teils einfachere Bedienung “bezahlte” ich mit dem erneuten Erstellen von dem was doch wieder verloren gegangen war.
Während der Diplomarbeit habe ich es 2003 ein letztes Mal versucht, da es im Unternehmen, der Siemens Postautomatisierung in Konstanz, für Dokumentation eben nur Windows gab. Trotz sorgfältig erstellten Vorlagen und vielen Sicherungen fand Word es müsse mir meine Dokumente wieder auseinandernehmen und immer mal wieder waren einige Stunden Arbeit einfach weg. Ich gab auf und nutzte die Weihnachtsferien um neue Vorlagen in OpenOffice.org zu erstellen und anschließend alles was ich hatte dort hineinzukopieren, bzw. teils dort neu zu erstellen.
Seither habe ich freiwillig kein Windows mehr angefasst. Produktiv kann ich damit nicht arbeiten. Inzwischen nutze ich Windows noch zum Testen, wir entwickeln Webapplikationen und erstellen Webseiten, da bleiben Tests auf Windows nicht aus. Ab und zu nutze ich Windows, wenn es drum geht irgendwo schnell per WLAN ins Netz zu kommen, falls meine Linuxkonfiguration da noch nicht will. Allerdings habe ich auch jedesmal wieder Probleme die einfachsten Aufgaben mit Windows zu erledigen, siehe z.B. Bild hochladen mit Vista.
Die ein oder andere Freundin lässt mich nur an ihren Windows-Rechner, wenn irgendwas kaputt ist, das bekomme ich meist repariert. Wenn ein Rechner jedoch grad läuft, dann wissen alle, es ist besser mich nicht dran zu lassen, denn Windows beschließt in diesem Fall sofort alle Fehler zu zeigen, die es bei anderen Nutzern bis dahin nie oder nur selten gezeigt hatte…
Für mich ist schon ein Doppelklick bis heute etwas, was so gut wie nie auf Anhieb klappt. Vielleicht bin ich motorisch zu ungeschickt, eventuell ist es die fehlende Übung oder meine von vorne herein eher reservierte Einstellung gegenüber Windows. Unterm Strich ist es auch egal, für mich persönlich ist es einfach das falsche System.
Linux das perfekte System für jede/n?
Nein, ich glaube nicht, dass Linux das perfekte und ideale System für alle Nutzer ist, wie schon in der erwähnten Serie zu Betriebssystemen erwähnt, meine ich, dass es das ideale System nicht gibt. Je nach Anforderung und eigener Vorliebe kann man sich jedoch für ein System entscheiden. Wichtig ist es, meines Erachtens, zu akzeptieren, dass jedes System Vor- und Nachteile hat, wählen sollte man daher das System dessen Eigenschaften am besten zu einem selbst passen.
Nachdem es für mich keine Alternative zu Linux gab, war klar, dass ich in meinem Unternehmen auch auf Linux setze. Bezogen aufs Unternehmen spielten da Gedanken wie Open Source und der Preis auch eine Rolle. Der Preis nicht im Sinne, dass ich nicht auch für gute Software bezahlen würde. Jedoch nur selten gibt es bei Lizenzsoftware die Chance einfach mal zwei, drei Alternativen zu testen, bevor man sich entscheidet.
Jan schrieb in seinem Ursprungsartikel:
“Ich will gar nicht leugnen, dass Windows ein gutes Betriebssystem ist (weil es eben nach dem Plug’n Play-Prinzip auf Anhieb läuft), aber wenn man mal ein Linux-System unter die Finger bekommen hat, bekommt man ein völlig neues Bild von der Welt der Computer, ein ganz anderes eben.”
Die ersten Teilnehmer kritisierten diesen Satz, weil sie meinten Linux sei doch gar nicht kompliziert und nicht schwer zu bedienen. Nun, ich meine ja und nein.
- Ja, klar, je nach Linux-Distribution ist es einfach zu installieren, die Oberfläche bei KDE verstehen auch Linuxanfänger meist auf Anhieb.
- Nein, spätestens wenn es mal um nicht unterstützte Hardware geht, dann ist Linux ein System, von dem man ein bisschen was wissen muss.
Unterm Strich bleibt aus meiner Sicht
Ich mag Linux, für mich ist es die richtige Wahl. Trotzdem schimpfe ich zuweilen auch mal über Linux.
Aber es gibt durchaus Menschen und Anforderungen bei denen ich ganz klar von Linux abrate. Ein bereits vorkonfiguriertes Windows auf einem neuen Rechner, bei dem alles wichtige auf Anhieb läuft, ist für manche einfach die bessere Wahl. Sodele, genug des Worts zum Sonntag.
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Der Beitrag wurde am Samstag, den 28. Februar 2009 um 16:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter Linux, blog, software abgelegt.
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Schöner Beitrag zu der Blogparade! Einer der aufschlussreichsten, wenn ich das mal so sagen darf. Gut finde ich auch, dass du meine Bezeichnung “Komplizierteres System” in Bezug auf Linux verstehst und nicht gleich abtust. Es ist eben doch immer noch der Kapitalist, der einem alles vorkaut, nicht der Freidenker (der eben noch denkt).
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Danke.
Bei allem, was ich an Linux mag und trotz aller Gründe, die dafür sprechen, kann meines Erachtens niemand abstreiten, dass Linux an manchen Stellen einfach mehr Fachwissen fordert als z.B. Windows.
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Sehr interessanter und persönlicher Artikel zur Betriebssystemfrage.
Also ich habe auch mit einem Atari ST angefangen (1040 STF, wobei ich mich an das F aus dem Wikipedia-Artikel nicht erinnern kann).
Als Software hatte ich damals u.a. Edison, Gemini, Mortimer, Phoenix, Signum, Tempus Word und ein StarWriter, wenn ich mich richtig erinnere.
Später legte ich mir dann einen Atari Mega STE zu und bekam der auch noch den PC-Emulator Hardware-PC-Emulator vortex ATOnce.
Legendär waren beim Atari die Bömbchen, die auf dem Monitor erschienen, wenn er abstürzte.
Da das Betriebssystem komplett im ROM war, bootete der Atari aber viel schneller als die Windows-PCs.
Leider hielt die Entwicklung beim Atari nicht mit den PCs mit. Da mir Windows 3.1 aber zu instabil war, kaufte ich mir einen PC bei Escom, der auch OS/2 drauf hatte. Unter OS/2 unternahm ich dann auch meine ersten Gehversuche ins Internet.
Später gab es dann leistungsstärkere PCs mit Windows 95, 98 und letztlich XP. Zwar habe ich auch mal Linux ausprobiert, aber an den von Dir beschriebenen Fachkenntnissen, die man braucht, scheiterte ich mit Internetzugang bei Linux, Soundtreiber etc. So bin ich dann bei Windows XP geblieben.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich vielleicht auch zu Linux gewechselt wäre, wenn ich soviel Abstürze und Datenverluste wie Du gehabt hätte.
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Danke.
Cool, endlich mal wieder einer… Damals gabs den ein oder anderen Nachbarn, der einen Atari hatte. Doch seither waren die meisten eher irritiert und fragten, ob ich da gespielt hätte.
Und das mir, die keine Computerspiele mag und außer ein bisschen Mahjongg und Patience nie spielt…
Beim ersten Mal habe ich mich erschreckt und wusste gar nicht wie mir geschieht.
Später lernte ich zu schätzen, dass mir die Anzahl der Bomben sagt, wie heftig der Absturz war. Meist waren es zwei, drei, aber ich glaube bis zu sieben hatte ich auch mal.
Von OS/2 zurück zu Windows ist aber auch hart.
Ich denke, du kämst heute mit einem Ubuntu/Kubuntu zurecht, was man da heute noch braucht, ist nicht mehr so schlimm. Aber die ersten Suse-Installationen waren teils schon mühsam. Ich hatte ja immer den ein oder anderen begeisterten Hacker in der Nähe, der mir da einiges abnahm…
Auch im täglichen Umgang dauerte es schon einige Zeit, bis es so einfach und problemlos wie heute klappte.
Es gab auch früher schon Dokumentation, aber meine ersten Zeiten mit Linux waren noch bevor man Zuhause Internetzugang hatte. Später gab es zwar Internetzugang, aber es gab halt nur den einen Rechner im Haus, wenn der nicht lief, gabs auch keine Dokumentation. Inzwischen gibt’s bei den meisten mehr als einen Rechner, so lässt sich nachschauen, was man tun kann, während man an irgendwas rumprobiert.
Meistens ist es so, dass man selbst nicht der/die Erste/r ist mit einem Problem, deshalb gibt es meist auch eine Lösung.
Das war und ist für mich noch immer der wichtigste Punkt. Klar, bei Linux dauert die Grundinstallation bei einem neuen Rechner schon länger, insbesondere heutzutage, wenn Windows vorinstalliert ist und man nichts selbst tun müsste. Aber im Alltag hatte ich einmal einen Datenverlust von der Arbeit von rund 20 Minuten, das waren jedoch die letzten 20 Minuten in denen dieses Laptop noch “lebte”. Die Festplatte ließ sich ausbauen und in einen anderen Rechner einlesen und nach wenigen Stunden konnte ich da wieder weitermachen, wo ich aufgehört hatte, inklusive meiner persönlichen Einstellungen.
Ansonsten ist es für mich noch immer so, wenn ein System für jemand funktioniert und sich so verhält, wie es soll, dann ist es gut und muss nicht geändert werden. Wenn Windows für dich funktioniert, dann ist es prima.
“Never change a running system”
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[...] Ute (Miradlo) [...]
[...] Spiele, die keine besonderen Anforderungen an den Rechner stellen. Mahjongg habe ich schon auf dem Atari St gespielt, das ist nichts was besondere Rechnerleistung [...]
[...] Ute (Miradlo) [...]
[...] gab nicht so viele Möglichkeiten. Warum ich Linux nutze und nichts anderes habe ich ja schon einmal ausführlich beschrieben. Es kam also nur ein anderes Linux in Frage, [...]